Alessandro Nef
Kontakt
Alle Beiträge

Künstliche Intelligenz

Vom Prompt zum Agenten. So baue ich meine KI-Agenten auf.

Ich zeige, was einen KI-Agenten von einem Prompt unterscheidet, aus welchen Bausteinen er besteht, wie ich ihn aufbaue und worauf ich achte, wenn mehrere Agenten zusammenarbeiten.

Alessandro Nef · 7. November 2026 · 7 Min.

Eine einzelne Frage im Chatfenster reicht für grössere Aufgaben bei mir nicht aus. Dafür setze ich KI-Agenten ein. In diesem Beitrag erkläre ich, wie sich ein Agent von einem Prompt unterscheidet, aus welchen Bausteinen er besteht und wie ich ihn Schritt für Schritt aufbaue. Danach geht es um die Zusammenarbeit mehrerer Agenten, um typische Fehler und um die Grenzen. Wie mein Team aufgebaut ist, steht auf der Seite Künstliche Intelligenz. Hier geht es um das Handwerk dahinter.

Was einen Agenten von einem Prompt unterscheidet

Ein Prompt ist ein einzelner Austausch. Ich gebe einem Sprachmodell eine Eingabe, bekomme eine Antwort, und damit ist der Vorgang abgeschlossen. Rolle, Regeln und Hintergrund muss ich beim nächsten Mal wieder selbst mitgeben, denn das Modell erinnert sich von sich aus an nichts.

Ein Prompt antwortet. Ein Agent arbeitet an einem Ziel.
MerkmalPromptAgent
ZielEine AntwortEin Ergebnis über mehrere Schritte
UmgebungKennt nur die EingabeLiest Dateien, Ticket und Stand des Codes
VorgehenAntwortet in einem ZugPlant die nächsten Schritte
WerkzeugeKeineNur die erlaubten
GedächtnisIch gebe alles bei jeder Frage neu mitLiest seine Unterlagen zu Beginn jeder Aufgabe
HandelnLiefert TextVerändert etwas, zum Beispiel eine Datei
RückkopplungIch korrigiere von Hand im nächsten PromptErgebnis wird geprüft, Korrekturen fliessen zurück

Ein Agent läuft dagegen in einer Schleife. Mit dem Wissen aus dem Oxford Artificial Intelligence Programme beschreibe ich ihn über sieben Merkmale. Er hat ein Ziel, das über eine einzelne Antwort hinausgeht. Er nimmt seine Umgebung wahr, zum Beispiel die Dateien, das Ticket oder den Stand des Codes. Er plant die nächsten Schritte, statt alles in einem Zug zu beantworten. Er nutzt Werkzeuge, mit denen er etwas auslösen kann. Er hat ein Gedächtnis, das bei mir aus Dateien besteht, die er zu Beginn jeder Aufgabe liest. Er handelt und verändert dabei etwas, zum Beispiel eine Datei. Und er bekommt Rückkopplung. Das Ergebnis wird angeschaut, und was dabei auffällt, verändert den nächsten Durchlauf. Die Schleife aus Wahrnehmen, Planen, Handeln, Prüfen und Nachbessern dreht sich so lange, bis das Ziel erreicht ist.

Die Schleife eines Agenten
ZielWas am Ende vorliegen soll
Wahrnehmen
Liest Ticket, Dateien und Code
Planen
Legt die nächsten Schritte fest
Handeln
Setzt einen Schritt um, mit den erlaubten Werkzeugen
Prüfen
Schaut das Ergebnis an
Nachbessern
Korrigiert, was auffällt, und beginnt neu
Ziel erreichtÜbergabeÜbergabe an den nächsten Agenten oder an mich
Gedächtnis: Unterlagen, die er zu Beginn jeder Aufgabe liest

Die Bausteine einer Agentendefinition

Bei mir besteht ein Agent aus einer Textdatei. Sie legt sieben Bausteine fest. Am Beispiel von Spica, der Autorin in meinem Team, sieht das so aus.

Die Rolle sagt, wer der Agent ist. Spica schreibt Entwürfe für diese Website, den Blog und meine App. Die Aufgabe grenzt ab, was er liefert, bei ihr ist das ein Entwurf und nie ein eingesetzter Text. Die Regeln legen Haltung und Grenzen fest, bei Spica Schweizer Hochdeutsch, die Anrede mit «du» und der Grundsatz, dass jede Tatsache über mich eine Quelle braucht. Was sie nicht belegen kann, stellt sie als Frage. Die Werkzeuge bestimmen, was sie tun darf. Spica liest und durchsucht Dateien und legt Entwürfe ab, mehr nicht. Die Wissensbasis ist ihr Stilprofil, das ich aus meinen eigenen Texten aufgebaut habe. Die Übergabe regelt, wohin das Ergebnis geht. Spica liefert den Entwurf an mich zurück, mit Fragen zu allem, was sie nicht wissen kann. Der siebte Baustein ist die Kontrolle durch den Menschen. Ich lese jeden Entwurf, korrigiere ihn und gebe ihn frei, erst dann setzt ihn jemand ein.

Sieben Bausteine, am Beispiel von Spica
  1. Rolle
    Wer ist der Agent?Beispiel SpicaAutorin für Website, Blog und App
  2. Aufgabe
    Was liefert er?Beispiel SpicaEntwürfe, nie eingesetzte Texte
  3. Regeln
    Was gilt immer?Beispiel SpicaSchweizer Hochdeutsch, «du», jede Tatsache mit Quelle
  4. Werkzeuge
    Was darf er tun?Beispiel SpicaDateien lesen und durchsuchen, Entwürfe ablegen
  5. Wissensbasis
    Was liest er zu Beginn?Beispiel SpicaDas Stilprofil aus meinen eigenen Texten
  6. Übergabe
    Wohin geht das Ergebnis?Beispiel SpicaDer Entwurf geht an mich, offene Punkte als Fragen
  7. Kontrolle durch den Menschen
    Wer gibt frei?Beispiel SpicaIch lese, korrigiere und gebe frei

Auch dieser Beitrag ist so entstanden. Spica hat den ersten Entwurf geschrieben, ich habe ihn korrigiert.

So baue ich einen Agenten auf

Die Reihenfolge hat sich bei mir so ergeben.

  1. Den Ablauf aufschreiben. KI hilft dort, wo der Ablauf klar ist. Ich kläre zuerst, welche Schritte es gibt, wer wofür verantwortlich ist und wann etwas fertig ist.
  2. Eine Rolle mit enger Aufgabe wählen. Ein Agent hat ein Fachgebiet und weiss, wo es aufhört.
  3. Regeln formulieren. Drei bis vier genügen für den Anfang, und ich schreibe den Grund dazu.
  4. Werkzeuge zuteilen. Der Agent bekommt nur, was seine Aufgabe braucht.
  5. Die Wissensbasis zusammenstellen. Das sind die Unterlagen, die er zu Beginn jeder Aufgabe liest.
  6. Übergabe und Freigabe festlegen. Was liefert er, an wen geht es, und an welcher Stelle entscheide ich?
  7. Mit einer echten Aufgabe laufen lassen. Ich lese das Ergebnis kritisch und spiele jede Korrektur in die Regeln oder die Wissensbasis zurück. Bei Spica geht meine Korrektur ins Stilprofil, und der nächste Text trifft meinen Ton besser.

Entwurfsfragen, die ich mir stelle

Drei Fragen entscheiden über den Zuschnitt. Wie viel Freiheit bekommt der Agent? Je weiter sein Spielraum, desto schwerer lässt sich das Ergebnis vorhersagen. Ein enger Rahmen macht es berechenbar, kostet aber Flexibilität. Welche Werkzeuge braucht er? Jedes zusätzliche Werkzeug vergrössert, was schiefgehen kann, darum gebe ich nur das Nötige. Und wann gibt der Mensch frei?

In meinem Ablauf ist das festgelegt. Wenn die Umsetzung bei einem Fund nachbessern muss, darf sie das höchstens zweimal selbst versuchen, danach bekomme ich den Befund. Änderungen werden nur mit meinem Okay übernommen, und eine neue Version veröffentliche ich selbst. Daraus ergibt sich eine Faustregel. Je schwerer sich etwas rückgängig machen lässt, desto früher entscheide ich selbst.

Wenn mehrere Agenten zusammenarbeiten

Sobald es mehrere sind, kommen drei Gestaltungsfragen dazu.

Die erste ist die Aufgabenteilung. Jeder Agent bekommt ein Fachgebiet. Atlas schreibt das Ticket, Lyra entwirft die Oberfläche, Vega setzt um, und Sirius prüft als Tester das Ergebnis.

Die zweite ist der Supervisor. Polaris ordnet meine Ideen, schlägt Tickets vor und verteilt die Aufgaben. Er ist die einzige Schnittstelle zu mir. So stellen nicht mehrere Agenten gleichzeitig Rückfragen, und ich muss nur mit einem sprechen.

Die dritte ist das Gegenlesen. Wer etwas baut, prüft es nicht allein. Sirius kontrolliert auch Aussagen wie «alle Stellen sind angepasst», und Polaris macht bei jeder Meldung eine eigene Gegenprobe. Was nicht geprüft wurde, heisst «nicht geprüft» und wird nicht geraten.

Dazu kommt ein gemeinsames Format. Das Ticket mit Ziel, prüfbaren Kriterien und den Sonderfällen ist die Sprache, die alle lesen können. Ohne ein solches Format verliert jede Übergabe Information.

Vom Ziel zur freigegebenen Änderung
Vorbereiten
Ich
Nenne Ziel und Ideen
Polaris
Ordnet sie und schlägt Tickets vor
Ich
Bestätige die Tickets
Atlas
Schreibt das Ticket mit Ziel, Kriterien und Sonderfällen
Parallel dazu
Lyra
Entwirft die Oberfläche
Orion
Prüft, ob die Idee zum Produkt passt
Umsetzen und prüfen
Vega
Setzt um, mit einem eigenen Branch pro Ticket
Sirius
Prüft das Ergebnis
Jeder Fund wird ein eigenes Ticket. Vega darf höchstens zweimal selbst nachbessern.
Gelingt es nicht, bekomme ich den Befund.
Freigeben
Ich
Probiere die Änderung auf dem Gerät aus
Ich
Gebe die Übernahme frei
Ich
Veröffentliche die neue Version selbst
Akzentfarbe: Hier entscheide ich.

Typische Fehler beim Aufbau

Die häufigsten Fehler sind eine zu breite Rolle, bei der ein Agent alles ein bisschen macht, und zu viele Werkzeuge. Dazu zählen Regeln ohne Begründung, die der Agent nur buchstäblich befolgt, und eine Übergabe, die offenlässt, was als Nächstes passiert. Auch fehlendes Gegenlesen gehört dazu und eine Wissensbasis, die veraltet, weil Korrekturen nie zurückfliessen. Der grösste Fehler ist, ein Ergebnis ungeprüft zu übernehmen. Die meisten dieser Fehler lassen sich vermeiden, wenn der Ablauf vor dem Agenten steht.

Vorteile, Grenzen und was dabei herauskommt

Gegenüber einem Prompt bringt ein Agent eine gleichbleibende Rolle mit festen Regeln, ein Gedächtnis über Dateien, Werkzeuge, die ein Ergebnis liefern statt Text, Arbeitsteilung mit Gegenlesen und einen wiederholbaren Ablauf.

Die Grenzen sind schnell genannt. Für eine einzelne Frage oder einen Begriff reicht ein Prompt. Die Einrichtung braucht Zeit, weil Ablauf, Beschreibungen und Wissensbasis erst entstehen müssen. Und Agenten machen Fehler. Die Prüfung des Codes ersetzt den Test am Gerät nicht, darum lese ich jedes Ergebnis kritisch, bevor es nach draussen geht.

Meine App Pulse ist mit diesem Team entstanden und seit Juli 2026 im App Store, mehr dazu auf der Seite Pulse. Auch diese Website ist mit den Agenten entstanden und seit November 2026 öffentlich. Die Texte schreibt Spica, ich gebe jeden frei.

Lass uns reden. Deine Nachricht ist willkommen.

Schreib mir